Und Descartes ist tot

Ich bin ein vergessener Mensch. Ein Individuum, das trotz Bekannter und Freunde nie einen Weg in deren Gedächtnis findet, da die Person bei der Hierarchie der Wichtigkeit ganz hinten zaghaft aus der Reihe winkt. Stets wird meine Bedeutung von meiner Umgebung verdrängt, denn diese Bedeutung wurde mir pre- und postnatal nicht zugewiesen. Da wartet man, ich, stundenlang nebst Telefon und auf digitale Briefe. Aber nichts kommt an, weil keine Nachricht je auf dem Weg war. Ich richte die Tage aus, halte sie frei. Blockiere meine Freizeit für fiktive Verabredungen. Der Wecker tickt warnend. Das einzige Geräusch neben meinen Gedanken. Mein lieber Descartes, meine Gedanken machen mich nicht aus, denn sie sind nicht greifbar. Was ist mit dem Rest? Wenn niemand die restlichen Atome meiner Existenz bestätigt, weil mich keiner umgibt, bin ich dann wirklich hier? Ich spreche nicht vom Alleinsein, sondern von der Einsamkeit. Alleinsein liegt mir ausgesprochen, doch die Möglichkeit, dieser zu entfliehen, ergibt sich nicht. Also ist mein Sein ein langsamer Ritt in den dunklen Sumpf, wobei ich die Dunkelheit schon hören kann und es mir schwer fällt, ihr zu wiedersagen.

 

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