Briefe an einen Geist

Mein Lieber, es ist einfach nicht unsere Zeit. Wenn du genug Geduld zum Überbrücken hast, treffen wir uns vielleicht in fünf Jahren auf der Straße der großen Stadt wieder. Denn das Kind, dass ich neuerdings möchte, bekomme ich mit dir oder gar nicht. Nur mit dir ist die Idee Wachsmalstifte zu kaufen und Elternabende zu besuchen erträglich. Aber im Moment, im Moment bin ich zu feige jemanden los zu lassen und mich für dich zu entscheiden. Entscheiden, als hätte ich überhaupt die Wahl. Die Möglichkeit entsteht lediglich in meinem Kopf und dieser wohnt augenblicklich eine Etage tiefer. Verlassen ist eine Kunst und ich bin in diesem Feld nicht sehr versiert. Auch weil du mir nicht zeigst, dass es sich lohnt. Wenn es nicht funktioniert, verliere ich eins plus eins auf einmal und es ist jetzt schon schlimm genug, zu versprechen, dich nicht wieder zu sehen. »Freunde« sind wir, das hast du gesagt. Aber »Freunde« liegen nicht wie zwei Puzzlestücke ineinander verhakt, zusammen im Bett. Wir wissen beide, dass unser Verhalten verboten ist, auch wenn du ungebunden bist. Aber wie unangenehm mir mein Tun ist, kannst du dir kaum vorstellen. Jegliche Moral habe ich mit deinen Zigarettenstummeln verbrannt. Ich habe niemals nur gespielt. Aber würdest du mir das auch glauben, wenn ich frei wäre? Wir waren eine liebevolle, gegenseitige Zeitverschwendung. Ich weiß nicht ob es jemals wieder so wird wie vorher, bevor ich dich kannte. Aber um das heraus zu finden muss ich gehen. Lange und weit.

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