Das Atmen der Haut

Der Erfolg der Jugend misst sich an der Haut. Beliebtheit und makelloses Aussehen, welches glatte, reine Haut voraussetzt, scheinen Hand in Hand zu gehen. Doch frage ich mich auch noch heute, wenn ich in die halb-kindlichen, heranwachsenden Gesichter schaue, wie das möglich sein kann: Überspringt ihr die ganze Hormongeschichte und überlasst ihr der Pubertät lediglich das Knochenwachstum und die Zellreife oder spricht eure Epidermis einfach so gut auf das Teeniezeit-behaftete Clearasil an, welches an mir, auf der eh schon hügeligen Landschaft, die mein Gesicht formte, Gegenteiliges auslöste. Mit der Einnahme diverser Kontrazeptiva, erstrahlte mein Gesicht letztendlich, wie die gegossenen Porzellanpuppen, die man im Teleshopping käuflich erwerben kann. Mittlerweile bin ich wohl in einem Binnenzustand, ausgelöst durch meine 26jährigkeit. Erste Zeichen von Falten, legen sich wie hingeküsst um das Mund-Nase-Dreieck. Beim Abschminken erkenne ich unter dem Gesichtsfett des Tages, auch auf der Stirn leichte, faszienartige Maserungen. Dennoch sind die Unreinheiten ein treuer Freund in der doch sonst so schnelllebigen Welt. Diese fühlen sich anscheinend so wohl, dass sie a) mehrere Wochen zum abheilen benötigen oder b) dunkelrote Flecken hinterlassen. Zusammengefasst habe ich also eine unreine, sensible, zu Rötungen neigende Mischhaut, die gerne auch mal spannt. In den Fachzeitschriften ist mir allerdings so etwas, bei den Hauttypen noch nie unter gekommen. Wie dem auch sei, dadurch dass sich meine Haut anscheinend alle fünf Jahre verändert, ist die Jagd nach der passenden Gesichtscreme wie ein Lottogewinn.Tatsächlich war Nivea Soft ein jahrelanger Begleiter. Mittlerweile ist das Eincremen unter Schminke nicht mehr machbar. Funkelnd und triefend sucht sich die Creme, egal ob für fettige / trockene / Mischhaut, ihren Weg an die Oberfläche und ich glänze, als hätte ich eine 12 Stunden Schicht in einem Fast Food Lokal hinter mir. Lange Zeit verschob ich die Cremeprozedur also auf den Abend, aber ich vergaß ganz, was uns die Beautymagazine predigen: »Atmen! Die Haut muss nachts atmen!«. Anscheinend gelingt das nicht zur Genüge durch meine respiratorischen Organe und auf den Sinn von richtigen Nachtcremes werde ich erst gar nicht eingehen. Ich lasse jetzt also atmen und da wären wir wieder beim Problem der Creme. Doch letztens kam mir eine britische Marke in die Hände: thisworks. Skeptisch trug ich die »in transit camera close-up«-Creme testend auf meiner Hand auf. Tatsächlich wurde die Stelle so samtig weich, dass ich mich dazu entschloss, diese mitzunehmen. Da stand ich vor meinem Badezimmerspiegel, kreuzte die Finger – weil mit 39€ über dem Studentenbudget – und fing an zu cremen. Auf den ersten Blick noch nicht mal ein fettiger Glanz. Dann kam der zweite Schritt, das Auftragen der Schminke. Üblicherweise hält hier Concealer auf meinem zuvor eingecremten Gesicht oder lässt sich zumindest nicht gut verteilen, doch erstaunlicherweise – und praise the lord – diese hält ihre, auf die schöne Tube geprinteten, Versprechungen. Nämlich Primer plus Feuchtigkeitscreme plus Maske. Die Visage ebenmäßig, wie eine Airbrushlackierung, als hätte der Beautyartist vom Kardashian-Clan höchstpersönlich die Hand angelegt.

 

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