Generation (wh)Y

Illustration Generation Y

Neulich las ich auf einem (Mode-)Blog einen Eintrag über die Generation Y. Trotz der offensichtlich entlehnten Argumentation eines Online-Lexikons, fand ich mich, abgesehen von der Stilistik, in der eigentlichen Thematik des Textes wieder. Es ging um die Möglichkeit, viele Chancen ergreifen zu können, aber nicht zu müssen und um das Verlorensein innerhalb der Flut von offenen Türen. Leider lese ich auch Leserkommentare, die meist in den Sparten von dumm bis dümmer rangieren. Der Kommentar, der mir ins Auge fiel und Fragen in mir veranlasste, erklärte die Thematik der Überforderung der benannten Generation, als „Luxusprobleme von Luxuskindern […]“. Ist dem tatsächlich so? Liegt dieses „Problem“ an der Generation und wenn ja, wieso sollte es sich hierbei um Luxus handeln?
Vorneweg: Ich persönlich bin mit der Abspaltung in Generationen-Clustern nicht ganz einverstanden. Denn ich identifiziere mich weder mit einer Person, die 1977 geboren wurde, noch mit einem Teenie, der 1998 auf die Welt kam. Selbst Lieschen Müller, mit der ich das Geburtsjahr teile, hat einen anderen Lebensweg eingeschlagen. Ist vielleicht Erzieherin in einem Vorort, Hochzeit nächstes Jahr, Doppelhaushälfte, zwei Kinder, fertig. Wir haben dieselben politischen Ereignisse mitbekommen, (Natur-)Katastrophen der letzten 25 Jahre medial wahrgenommen, beide für die Backstreet Boys geschwärmt und trotz gleicher Generation, sind wir heute vollkommen verschieden. Wie auch bei Epochenbegriffen, deren Existenz uns lediglich als Orientierungshilfe dient, gemeinden uns diese Generationenbegriffe in einen bestimmten Zeitraum ein. Wenn es in 100 Jahren darum geht, warum Julia Feller so schreibt, wie sie schreibt, liegt es nicht an der Genieästhetik des Sturm und Drang, sondern an der Postmoderne. Vermutlich beeinflusst von der deutschen Wende, MTV und von 9/11.
Wie dem auch sei, das oben beschriebene Sujet, nicht zu wissen, wofür man sich entscheiden soll, das ich eigentlich nicht als generationsinhärent gesehen habe, ist mir bekannt. Selbst im Supermarkt versinke ich in den Marmeladenregalen und schaue hin und her gerissen von Kirsche zu Kiwi-Vanille. Um noch mal zu dem Leserkommentar zurück zu kommen: ist das denn jetzt Luxus? „Luxus” ist per definitionem etwas Verschwenderisches, nicht Notwendiges und auch Kostspieliges. Die Freiheit der Wahl, die uns, zum Glück, auf diesen Breitengraden zu steht, sei es in der Berufsfindung oder auch der Lebensweise, fasse ich nicht unter diesem Begriff auf. Zugegeben quäle ich mich, bedrängt durch äußere Einflüsse wie Eltern, denen selber nur der gradlinige Weg offen stand, zu Entscheidungen, die diese zwar beruhigt, mich allerdings nicht vollends befriedigen. Was ist das bloß mit uns, der Jugend? Sind wir, bin ich, nicht zielstrebig genug? Irre ich umher auf der Suche nach dem Ariadnefaden meines Lebens? Oder schwingt doch der Generationsmythos mit, geprägt von unstetigen Weltgeschehnissen und Umbrüchen, die sich auf unser Weltbild ausgewirkt haben und es immer noch tun. Generation (wh)Y: Verschwenden wir zu viel Zeit beim Hinterfragen und sind deshalb langsamer als Generationen zuvor? Ist die Vielzahl von Möglichkeiten, bei der man sich schon einmal selbst aus den Augen verliert, ein wichtiges Orientierungsinstrument auf dem Weg der Persönlichkeitsfindung?
Wie auch in der Struktur dieses Textes, verlaufe ich mich zeitweise im falschen Studium und muss mit Mitte 20 neu anfangen, während die Personen, mit denen ich zu Schule ging, schon längst den Master in der Tasche und einen ergonomischen Bürostuhl unter ihren Hintern haben. Habe ich meine Zeit verschwendet? War das notwendig? Ist das Luxus? Falls das zutreffen sollte, habe ich mir diesen zumindest selbst finanziert und solange ich in Geldfragen nicht von jemand anderem, als mir selbst abhängig bin, leiste ich mir meinen „Luxus-Lifestyle“ weiterhin und kaufe demnächst vielleicht auch zwei Marmeladen gleichzeitig.

Related Posts
Interview
Illustration Hände
Roger Willemsen Illustration

Discussion about this post

  1. […] Neue Illustration zu einem alten Blogpost. […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.