Valentin, was willst du von mir?

Die Woche hat sich wohl zum Anlass genommen, mich zu erzürnen. Nicht nur, dass die Karnevalerei immer noch zu Gange ist, nein der gesellschaftliche Konsens geht mir schon seit Wochen mit Spezialitäten zum heutigen Tage auf die Nerven. Denn dieser begeht den Valentinstag. Angeblich bin ich heute, laut Aussage diverser Frauenmagazine und Blogs, dazu angehalten, mir Herzchen auf die Nägel zu pinseln und mich dem Tag entsprechend zu kleiden. Des Weiteren soll ich auch Geschenke erwarten und die nicht zu knapp. Blumen wären allerdings 2015 nicht mehr akzeptabel und den Singles wird vorgegaukelt, ihnen würde das Geschenk des Lebens entgehen.

„Wir“ (davon schliesse ich mich aus) feiern,  dass ein enthaupteter Bischof Soldaten getraut hat, obwohl es ihnen verboten war, die Ehe einzugehen. Dass die Zeremonien natürlich seiner Köpfung chronologisch voraus ging, versteht sich von selbst. Alle bildlichen Vorstellungen eines kopflos segnenden Bischofs obliegen meiner doppel-deutigen, fehlerhaften Syntax. Ich bitte dies zu entschuldigen.

Des Weiteren soll dieser klerikale Valentin auch noch Blumen an die Ehepaare verschenkt haben. Die Entwicklungs-Historie seit dem 4. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung und die kompletten angelsächsischen Brauchtümer  überspringe ich einfach rücksichtslos und frage mich nun, warum sich die Masse an Menschen auf diesen Herrn zurückbesinnt und aktuell mit Litern von Liebe um sich spritzt.

Wenigstens ist mehr oder weniger der Bezug der tatsächlichen Blumenschenkung gegeben. Zumindest, wenn man sich nicht an den diesjährigen Ratgebern orientiert. Man hält sich heute fast noch eins zu eins an die Vorlage. Ich erinnere da nur kurz an Weihnachten: Hätten wir Weihrauch oder Myrrhe unterm Christbaum liegen, wäre das Geschrei groß. Dass wir überhaupt Geschenke an dem Geburtstag eines anderen rezipieren, würde ich sowieso gerne allgemein einführen, aber das ist eine andere Geschichte.

Nun, was lehrt uns dieser Valentin? Sich für die Liebe über Reglements hinweg zusetzen und später auch noch die Spendierhosen anziehen, seien es materielle Leggins oder ideelle Jeans. Wer dafür allerdings einmalig im Jahr einen speziellen Erinnerungstag braucht, sollte seine Beziehung überdenken. Don’t believe the hype!

Love und so,

Julia Feller

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