Warum ich in die jane waynes verliebt bin

Ich neige dazu, mich über vielerlei Thematiken aufzuregen. Wie hier schon getan über Blogger und deren digitale Platformen. Im Zuge dessen schmiss ich vor kurzem sämtliche Blogs aus meinem Reader, um die Zeit im Internet zu verkürzen und vor allen Dingen, mein tägliches Stresslevel beim Lesen von dämlichen Posts und hinzukommend mangelnder (oder Pseudo-) Schreibstilistik zu minimieren. Wenn dieser aggressive Wurm der Wut sich gerade schon hervorschraubt, möchte ich noch einmal als Frage in den Raum stellen, warum Menschen, die Subjekt, Prädikat und Objekt nicht in spannender Reihenfolge aneinandersetzen können, glauben, diese Elipsen auch noch veröffentlichen zu müssen. Nur weil man 2015 kann, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass man auch muss. Mit den Lesern möchte ich gar nicht erst anfangen. Oder doch: Gehen wir davon aus, es handelt sich hierbei um die Generation Y, gehören die Leute in meinem gleichaltrigen Umfeld auch dazu. Ganz banal schließe ich jetzt von einer Begebenheit auf sämtliche Leser: Es begab sich im Hörsaal, thematisch war die neue deutsche Literaturwissenschaft angesagt. Mit Interesse verfolgte ich dies, aber darüber hinaus auch die Inhalte der Laptops meiner Komilitonen (man sollte sich bei der Anordnung der Sitzplätze dessen bewusst sein). Was sah ich da also? In der Germanistikvorlesung? Die Startseite der Bildzeitung. Ergo, wenn diese Zielgruppe auch auf Blogs anwendbar ist, was soll man dann noch erwarten? Wenn diese doch Informationen in einfacher, niederer Sprache bevorzugen. Und oft frage ich mich, where are MY readers at? Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zu den abgeschobenen Blogs. Der einzige nachhaltige Vorteil, den mir ein Bestimmter brachte, ist die Entdeckung eines ganz und gar bezaubernden, aber dennoch erwachsenen Blogs, über deren Blogroll. Um meine Freude hinsichtlich des Funds auszudrücken, schrieb ich der Redaktion eine E-mail:

Liebe Jane-Waynes, ich habe euren Blog erst vor kurzem entdeckt und möchte ich mich dafür herzlichst entschuldigen! Es begab sich wie folgt: Nachdem ich jahrelang die immer gleichen (großen) Blogs gelesen habe, stellte sich ein Gemütszustand von Langeweile bis hin zur Wut ein. Die Quelle dafür waren redundante Themen, lähmend zusammengebastelte Headerbildchen, 386 Fotografien von ein und demselben Outfit und zusätzlich schlechte bis hin zu nicht-vorhandenen Schreibstilen. Auch die zu lesenden prosaesken Geh-Versuche von Blogeinträgen schnürten mir als Literaturstudenten und Schreibenden nicht nur den Magen zu, sondern ließen Tränen der Wut und des Lachens aus meinen Augen auf die Tastatur kullern. Kopfschüttelnd verbrachte ich diverse Momente vor dem Laptop. Und ja, es ist auch Neid, der aus mir spricht. Völlig unverständlich ist es mir, wie man mit den oben beschriebenen Banalitäten Erfolg bei Lesern und im Portemonnaie haben kann. Besonders, da ich meinen eigenen kleinen Blogkosmos führe und tagtäglich über die Anspruchslosigkeit der Leserschaft schimpfen muss. Aber nun zu euch, ihr lieben Mädchen, die den Glauben an gute Blogs wiederhergestellt haben! Tatsächlich fand ich euren Blog im Blogroll einer oben beschriebenen Internetpräsenz und bin froh, dies als letzten Akt dort getan zu haben! Nicht nur gebt ihr mir die Hoffnung an die intelligente Mädchenschaft zurück, die sich mit Mitte/ Ende 20 nach mehr sehnt, als einem Blogpost über die Einladung zur Primark-Eröffnung oder die hippen Balkonmöbel für den Frühling 2015. (Mag sein, dass es daran liegt, dass ich keine begehbare Aussenverlängerung meiner Wohnung besitze oder genannte „Fashion-“ Kette nicht zu meinem favorisierten Bekleidungshort gehört.) Natürlich mag ich Mode und Schminke und Kleinkram, der auch bei euch, allerdings im gesunden Maß vorkommt. Außerdem freue ich mich, dass ihr und eure Gastautoren in der Lage seid, gesellschaftskritische Fragen zu überdenken und darüber zu berichten. Zwischen Öl-Ziehen, Wandfarbe und Feminismus finde ich mich durch euch Gleichaltrige medial absolut hervorragend vertreten. Bevor ich nun zum Ende meiner Lobhudelei komme, möchte ich auf den größten Unterscheidungspunkt von thisisjanewayne hinweisen: Ihr könnt Schreiben! Unglaublich, dass dieses Faktum keine Voraussetzung für andere Blogger darstellt. Orthographie, Bildlichkeit und Esprit sind keine Fremdwörter für euch! Merci dafür! Nun möchte ich aber wirklich schliessen und erneut für eure ausgeglichene Dimension an Hipstertum und Geist danken, die ich ansonsten so oft vermisse! Bei euch empfinde ich keinen Neid, sondern jeden Tag erneut Freude! Allerliebste Grüße Julia

Related Posts
Interview
Illustration Hände
Roger Willemsen Illustration

Discussion about this post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.