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Überall kann man nachlesen, wie Menschen mit Kindern und Vollzeitjob ihren Tag bewältigen. Ich schaffe es gerade mal zwischen Freizeit und Alltag aus dem Bett zu rollen. Aber nur, wenn es ein guter Tag ist.
Zwischen dem Brotjob, der Uni und diesem raren Geschreibe hier wabern die Stunden an mir vorbei, während ich den Tag auf dem Sofa aussitze. Mir mangelt es an Disziplin, Ehrgeiz und Struktur und doch inszeniere ich innerlich den Traumjob, der mich zur Gänze erfüllt. Auch wenn ich immer noch nicht weiss, was dieser inhaltlich behandelt. Neuerdings kam mir die Idee, Make-up-Artist für Black Metal Bands zu werden. Die vergessen nämlich immer den Primer und nach einer Stunde Bühnen-Schreierei unter Scheinwerfern hängt ihnen ihr wütendes Inkarnat irgendwo am Hals. Ich sehe da eine Marktlücke! Eine andere wäre –allerdings aus Geldstreichung– der Job als Provenienzforscher. Während ich also detektivisch die Depots von Museen durchforste, um Raubkunst aufzuspüren und diese zu restituieren, schreibe ich in meiner Tweed-Jacke Monografien über… ja, über was eigentlich. Dafür allerdings fehlt mir mindestens der Master, wenn nicht sogar der Doktor, bzw. der Anstand der Kunsteinrichtungen aller Art, für diese Posten Geld auszugeben, da diese lieber weiterhin geraubte Kunst aus vermehrt jüdischen Haushalten/ Sammlungen an ihren Wänden hängen haben wollen mit Verschleierung der eigentlichen Provenienz versteht sich. Aber das nur am Rande.
Des Weiteren träume ich von einem Brautmodengeschäft, weil es überall nur fürchterlich hässliche Brautmodengeschäfte mit fürchterlich hässlicher Brautmode gibt. Wenn man durch die Glasscheibe am Tüll und Firlefanz vorbeischaut, sieht man immer dasselbe: Frauen, die mit noch mehr Frauen herumstehen und sich hochbrechend weißen Taft und Organza anschauen und im Anschluss noch spitze Brautschuhe auswählen, die allerdings an der tatsächlichen Spitze einen abgehackten Abschluss finden. Bei letzterem steigt mir das Frühstück immer wieder eine Etage höher. Ich frage mich: Wie kann man sich das nur antun? Diese Sekt-geschwängerte Luft des Brautmodengeschäft-Innenraums schafft es trotzdem immer nach draussen und so laufe ich weiter, den Weg vor mir bestreuend mit Pailetten in changierendem Perlmutt, in Gedanken bei meinem fancy bridal store.
Eine andere Jobfantasie ist die Assistenz für Roger Willemsen. Wenn dieser  wieder gesundet sollte ich die Bewerbung einfach mal losschicken. Als Kompetenzen kann ich das Auffüllen von Tintenfüllern vorweisen, sowie das Sortieren von Büchern. Nicht nur thematisch, nach Autor, nein auch wie wir Hipster das pflegen, nach Farbe.

Liebe 17-Jährige, macht euch nichts vor: Mit 27 ist immer noch nicht alles im Lack, vor allen Dingen beruflich nicht. Das schreibe ich, während ich mit Öl und Frischhaltefolie auf dem Kopf soeben meine Liebe zur „alten” Miley Cyrus entdeckt habe.

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  1. […] noch sprach ich von meinen Berufswünschen, zu dem deine Assistentin zu sein gehörte. Ich wollte dir dein Papier halten, wenn du keinen Tisch […]

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