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Kurzgeschichten

Glückskeks

Foto Glückskeks Spruch

Manchmal wenn mein dunkles Loch wieder überhand nimmt und ich nicht in der Lage bin, aus eigener Kraft Dinge zu erschaffen, benötige ich jemanden, der mir sagt, dass alles gut wird. Auch wenn dieser jemand ein Neutrum ist und aus Papier besteht. Im zitternden Neonlicht stehe ich also vor dem China-Restaurant und reiße das goldene Staniol-Papier auf. Der Inhalt verspricht wie immer Erfolg. Wortwörtlich in Kombination mit meinem eigenen Dazutun. Wie recht du hast Keks, denke ich, während ich um 12h immer noch im Schlafanzug auf dem Sofa sitze. Das

Irrsinn

Foto Collage

Knall, es schmerzt das Herz, Anarchie. Gemeinsam, Dielenfußboden. Nächste Woche, ein Kind. Pack die Ringe wieder aus, Hochzeit. Aus. DU. Heute Morgen hätte ich mich fast selbst verraten. Gut, dass ich meinen Mund, -nein- meine Finger im Zaum gehalten habe. Was wir sind, das werdet ihr sein. Ich bewundere dich. ICH. Überlebenswillen, den hast du. Ich wünsche Glück, aber das weisse Frotee-Handtuch halte ich stets bereit. Und dann bist du auf einmal viele Jahre älter und heute weiser. Ich weiß nicht. Ist doch alles gut jetzt, ist doch alles da.

Hafen

Montag. Du freust dich auf das Schiff mit den vielen rostigen Flecken am Boden, das du trotzdem betrittst, obwohl du weißt, dass es sinken wird und das zum zweiten Mal. Dort liegt es dann am unbeleuchteten Meeresgrund, umspült von Fischströmen und angefressen vom H2O, das durch die Wände eindringt. Eros und Erosion liegen geschwisterlich nebeneinander. „I came to say ‚goodbye‘.“ – „You ALWAYS come to say ‚goodbye‘.“ Die ganze Woche sitze ich am Hafen auf splitternden Holzbänken und kratzigen Steinen, die sich als weiße Staubflecken im Gewebe meiner Hose einnisten

Mein Lieber, es ist einfach nicht unsere Zeit. Wenn du genug Geduld zum Überbrücken hast, treffen wir uns vielleicht in fünf Jahren auf der Straße der großen Stadt wieder. Denn das Kind, dass ich neuerdings möchte, bekomme ich mit dir oder gar nicht. Nur mit dir ist die Idee Wachsmalstifte zu kaufen und Elternabende zu besuchen erträglich. Aber im Moment, im Moment bin ich zu feige jemanden los zu lassen und mich für dich zu entscheiden. Entscheiden, als hätte ich überhaupt die Wahl. Die Möglichkeit entsteht lediglich in meinem Kopf

EINS Durststrecken Sonntag, eine Großstadt. Ada erwachte in der Mitte ihres Bettes, der drahtige Körper verschluckt und gestrandet in einem Berg  Kissen und Bettdecken, in einer Anzahl, wie man sie nur in der Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses antrifft. Obwohl einer Union zweier angeblicher Liebender angehörig, teilte sie nun das Bett mit niemand mehr Unangenehmerem, als ihr selbst. Kein vertrautes Nachtparfum, kein vorzeitig ergrautes Haar, das leise aus einem Männerkopf gefallen war, erinnerte sie daran, dass er jemals die Tür zu seinem Leben verlassen und in ihr Tor gestolpert war. Ihre dunkelbraunen

Löcher im Gesicht

Wasser fließt aus jeglichen Löchern, die mein Gesicht hergeben. Es hätte keinen Unterschied gemacht, ob er da gewesen wäre oder nicht. Ich fordere von seiner Existenz mein Glücklichsein. Zwar wäre ich dann in Gesellschaft, in Bester zugegeben, aber

Sesam, öffne dich

Ich bin kalt, ein Stein auch. Ich bin ein Stein. Aus jeder Ecke höre ich: »Komm aus dir raus!« und ich weiß gar nicht, aus welchem Ort ich eigentlich ausbrechen soll und ob ich das will. Denn in mir drin fühle ich mich die meiste Zeit ganz wohl.

Ende der Woche, fast der Anfang der Neuen. Ewige Grübeleien bestimmen meine Tage. Eine nie endende Landstraße. Glänzend, voller Rollsplitt. Ich bin barfuß. In sechs Jahren tanzt du auf meiner Hochzeit. Liebe ohne Leiden. Ein Jemand schleicht sich unaufgefordert an, legt sich um meine Schultern. Leise. Bringt alles aus dem Gleichgewicht. Verliert Haare an geheimen Stellen. Hinterlässt DNS. Pflanzt sich ein, Parasit.

Game over

Als ich aufwachte, war er längst gegangen. Ich kannte das von ihm, das übliche Verschwinden. Die Angst vor dem Sterben der Nacht und somit vor der Realität ließ ihn jedes Mal vor mir flüchten. Trotzdem trafen wir uns ein halbes Jahr regelmäßig immer wieder, um uns an der Gegenwart des Anderen zu ergötzen. Tranken zu viel Wein und tanzten über den nächtlich-dunklen Trottoir, weil uns die Türsteher keinen Einlass gewährten. Danach torkelten wir betrunken, halb von Alkohol und halb von der gegenseitigen Anziehung, zu ihm oder zu mir, um am

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