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Kurzgeschichten

Hygiene

Duschen am späten Sonntagnachmittag passiert nur, wenn man sich Mittags am Telefon gestritten hat und deshalb nicht zur Körperhygiene kam. In der Hoffnung, das Shampoo möge nicht nur die stumpfe Oberfläche des Kopfes reinigen, sondern auch die darunter liegenden Synapsen.

Beginne mit A

Du hast jetzt eine Freundin, hat man mir gesagt. Eine Richtige. Das macht dich herrlich unattraktiv. Aber jetzt zweifle ich daran, ob Du und ich wirklich statt gefunden haben. Gestern war ich für dich wie eine Schwester und ich musste meine inzestuösen Gedanken für mich behalten und heute – heute bist du noch nicht einmal an familiären Verhältnissen interessiert.

Ich bin ein vergessener Mensch. Ein Individuum, das trotz Bekannter und Freunde nie einen Weg in deren Gedächtnis findet, da die Person bei der Hierarchie der Wichtigkeit ganz hinten zaghaft aus der Reihe winkt. Stets wird meine Bedeutung von meiner Umgebung verdrängt, denn diese Bedeutung wurde mir pre- und postnatal nicht zugewiesen. Da wartet man, ich, stundenlang nebst Telefon und auf digitale Briefe. Aber

Insomnia

Typo Insomnia Blau

Das erste Mal war am Montag und heute ist es wieder so weit. Ich kann nicht schlafen, das dritte Mal in Folge. Mein Körper liegt müde und ausgelaugt unter vielen tausend Bettdecken und Kissen. Meine Augenlider kleben wie dicker Pfannkuchenteig auf meinen Wangen, in der Hoffnung auf baldige Träume. Doch mein Hirn zieht es vor, innere lebhafte Monologe zu führen. Schwadroniert über Ereignisse, die noch nicht einmal statt gefunden haben. Wütend und müde schaue ich auf den Wecker, wälze mich von links nach rechts um eine schlafgerechtere Haltung anzunehmen und

Im Park

Ein Kinderspielplatz ist ein verwunschener Ort, an dem Spritzen im Mondlicht glitzern und sich seine nächtlichen Besucher konzentriert Flüssigkeiten in die Venen rammen. Der süßliche Geruch von sommerlicher Hundescheiße brennt in meiner Nase. Teenieväter schieben

Ein Nachruf

Julia Feller Illustration Hand

Mein lieber Freund, du stahlst dich genauso schnell aus meinem Leben, wie du dich mit kleinen Gefälligkeiten und weißem Nougat versucht hast, ein Teil davon zu werden. Heute weiß ich, du warst nur fasziniert von dem Unbekannten. »Es gibt keine Freundschaft, nur Liebe

Der Kaffee schmeckt heute nicht. Kein Wunder, es ist ja schließlich Freitag. Sonntags hätte ich da vielleicht mehr Glück, aber es ist ja immer noch Freitag. Die Milch fehlt und die Person, die sie mir einschenkt auch. Hat sich aufgelöst, wie Puderzucker in einem Glas Wasser, an einem Freitag vor drei Wochen. Ich hätte es wissen müssen: Er trank immer Koffeinfreien. Des Bluthochdruckes wegen. Da sitze ich also missgelaunt in meiner Küche und starre auf den Aschenbecher, der vor mir steht. In ihm liegen friedlich die Haare, seine Überreste, die

Für einen kurzen Augenblick war ich mir unsicher, ob er mich überhaupt sah oder nur gedankenverloren in meine Richtung blickte. Aber je länger er aus der Distanz herüber sah, desto unangebrachter wurde die Dauer seines Starrens. Die Sekunde zwischen zufälligem Augenkontakt und unangebrachtem Beobachten war längst erreicht und mir wurde klar, dass ich Frontal in seinem Blickfeld stand und mich nicht befreien konnte. Da standen wir nun. Wie in einem Filmstill starrten wir uns im ungeschützten Gang des Supermarktes an. Ohne seinen Kopf oder seinen Körper zu bewegen, fing er

Der Wodka, den du bei deinem letzten Besuch mitbrachtest stand immer noch im Kühlschrank und als ich ihn eines Tages öffnete, schmeckte er genauso bitter, wie unser Versprechen, uns nie wieder zu sehen.  

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