Fleisch

Vollkommen zugeknöpft gehe ich aus dem Haus. An der ersten Häuserecke beginnt es. Ein junger Mann grüßt mich. Im Laufe des Tages wiederholt sich die Situation mit alten Männern, mit dicken, mit dünnen, mit pickligen, mit männlichen Personen, die der deutschen Syntax nicht mächtig sind. Es geht hier nicht um eine bloße Begrüßung, von mir unbekannten Personen. Es ist der klebrig haftende und langsam herunter gleitende Blick auf sämtliche meiner Körperregionen, der mit einher geht. Es ist das Ausgesetzt sein. Es ist die Degradierung auf das Niedere. Es ist das

Mein Lieber, es ist einfach nicht unsere Zeit. Wenn du genug Geduld zum Überbrücken hast, treffen wir uns vielleicht in fünf Jahren auf der Straße der großen Stadt wieder. Denn das Kind, dass ich neuerdings möchte, bekomme ich mit dir oder gar nicht. Nur mit dir ist die Idee Wachsmalstifte zu kaufen und Elternabende zu besuchen erträglich. Aber im Moment, im Moment bin ich zu feige jemanden los zu lassen und mich für dich zu entscheiden. Entscheiden, als hätte ich überhaupt die Wahl. Die Möglichkeit entsteht lediglich in meinem Kopf

EINS Durststrecken Sonntag, eine Großstadt. Ada erwachte in der Mitte ihres Bettes, der drahtige Körper verschluckt und gestrandet in einem Berg  Kissen und Bettdecken, in einer Anzahl, wie man sie nur in der Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses antrifft. Obwohl einer Union zweier angeblicher Liebender angehörig, teilte sie nun das Bett mit niemand mehr Unangenehmerem, als ihr selbst. Kein vertrautes Nachtparfum, kein vorzeitig ergrautes Haar, das leise aus einem Männerkopf gefallen war, erinnerte sie daran, dass er jemals die Tür zu seinem Leben verlassen und in ihr Tor gestolpert war. Ihre dunkelbraunen

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