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Geschichte

Aus dem Zusammenhang gerissen: Nach der Theorie meines Onkels schaut auch der Tod sich gerne alte Fotos an und holt diejenigen ab, die ihm am besten gefallen. Kaminer, Wladimir: Onkel Wanja kommt. Eine Reise durch die Nacht. Goldmann: München 2012, S.9.

Von Sarah Riedeberger und mir. Einheit Einheit gleich Gesamtheit, ein Ganzes. Wir, wie ein Haus. Ein Dach und ein paar Stützbalken, ein euphorisch lächelndes Willkommens-Schild an der Tür. Zum Herzen des anderen. Verschwommen. Einige wilde Geschichten – ruhige Gedanken. Die aus den Ritzen im Beton wachsen. Dort zwischen Geschoss und Stockwerk. Du kennst den Unterschied und der besteht aus Holz. Knarzt, dehnt sich im Sommer aus. Auch das Astloch, das von den Würmern in Form von DNS-Strängen tanzend zerfressen worden ist. Wir dehnen uns mit dem Sommer und dem Holz

Spiegelkabinett

Typo Spiegelkabinett Prosa

-Im Bademantel- Manchmal passiert es, dass nicht nur die Decke auf meinem Kopf zebricht, sondern der gesamte Himmel. Das Ungetüm, das ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen habe. Und das behäbig vor dem Fenster hängt. Ich sollte nicht motzen, ich sollte einfach mal an die frische Luft geh’n. An den Schaufenstern vorbeiziehen, stehen bleiben und mir ins Gesicht sehen. Visage Visage: Kreisrund, an manchen Tagen experimentell – Dreieck-. Die Spiegelung glotzt zurück. Am liebsten würde ich sie anspucken. Der Bodenbelag besteht aus Beton. Platten, aneinander gesetzt ergeben sie eine

Railwaytracks

Buchstaben

Würde ich lieber durch die helle Nacht wandern, als auf einem Bein durch die dunkle Sonne? Ja, nein, ich weiß es nicht. Aber das Einzelticket liegt schon auf dem Schreibtisch. The beginning is yet to come. 1-2-3 und es ist wieder soweit: Im Herbst. Im Herbst dann ruft die andere Stadt. Verspricht Wunder und aschefarbene Lidstriche, die man für die Nacht aufträgt. Hier ist es nur das blanke Auge, das auf die Netzhaut fällt. Hier könntest du es auch so haben, sagst du. Und ja, der Konjunktiv war schon immer

Sarah Riedeberger und ich haben es wieder getan. Die nächtlichen Geschichten Nr. 2, schwarz und aus dünnen Buchstaben zusammengeschrieben. Kein Filter, keine Retusche. Schlafen ist auch keine Option. Dosenbier ist aber eine. Oder Schnaps, intravenös. Mich volllaufen lassen, um am nächsten Morgen auszubluten, wie ein angefahrenes Tier, liegend am Straßenrand. Alle Emotionen, wie Innereien raus. Aber da ist niemand, der das dann auffängt oder sogar entsorgt. Da ist niemand, der mein über-die-Strenge-Schlagen nach Hause trägt. Das muss auch keiner, denn dazu bin ich selbst fähig. Immer noch irgendwie, mit der

Eine Ligatur mit Wörtern und Sätzen von Sarah Riedeberger und Julia Feller, entstanden in der grauen samstäglichen September-Nacht. Wir haben keine Freunde, sondern nur Worte. Am Anfang war das Wort und es entstand auf dem Sofa. Du bist mein Wort und ich liebe dich häßlichst seit fünf Jahren. Ich schenke dir zu Weihnachten eine gute Freundin. Wenigstens eine. Damit da mal wer ist, der nach dir guckt und dich sucht, wenn du dich unter Schnee und Wein und Kissen in Wollsocken versteckst. Und Morgen, wenn der Tag gefüllt werden muss,

Das mit dem Schreiben verhält sich so: Dafür, dass es meine einzige Freizeitgestaltung darstellt, mache ich es viel zu selten. Nicht nur, weil mir oft die Kraft dazu fehlt, sondern auch die Muße und die Muse. Dieses herzlose Wesen hat mich nämlich verlassen. Mein einziger Inhaltsgenerator. Muse, falls du das lesen solltest, meld‘ dich doch bei Zeiten mal wieder. Digital ist auch ok. Die anderen Menschen wollen das nämlich nicht analog. Zu Recht. Es könnte zu wild werden, glitzern. Ohne dich bin ich langweilig. Nicht ein bisschen, sondern zu langweilig.

Mein Lieber, es ist einfach nicht unsere Zeit. Wenn du genug Geduld zum Überbrücken hast, treffen wir uns vielleicht in fünf Jahren auf der Straße der großen Stadt wieder. Denn das Kind, dass ich neuerdings möchte, bekomme ich mit dir oder gar nicht. Nur mit dir ist die Idee Wachsmalstifte zu kaufen und Elternabende zu besuchen erträglich. Aber im Moment, im Moment bin ich zu feige jemanden los zu lassen und mich für dich zu entscheiden. Entscheiden, als hätte ich überhaupt die Wahl. Die Möglichkeit entsteht lediglich in meinem Kopf

Löcher im Gesicht

Wasser fließt aus jeglichen Löchern, die mein Gesicht hergeben. Es hätte keinen Unterschied gemacht, ob er da gewesen wäre oder nicht. Ich fordere von seiner Existenz mein Glücklichsein. Zwar wäre ich dann in Gesellschaft, in Bester zugegeben, aber

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