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Geschichte

Sesam, öffne dich

Ich bin kalt, ein Stein auch. Ich bin ein Stein. Aus jeder Ecke höre ich: »Komm aus dir raus!« und ich weiß gar nicht, aus welchem Ort ich eigentlich ausbrechen soll und ob ich das will. Denn in mir drin fühle ich mich die meiste Zeit ganz wohl.

Ende der Woche, fast der Anfang der Neuen. Ewige Grübeleien bestimmen meine Tage. Eine nie endende Landstraße. Glänzend, voller Rollsplitt. Ich bin barfuß. In sechs Jahren tanzt du auf meiner Hochzeit. Liebe ohne Leiden. Ein Jemand schleicht sich unaufgefordert an, legt sich um meine Schultern. Leise. Bringt alles aus dem Gleichgewicht. Verliert Haare an geheimen Stellen. Hinterlässt DNS. Pflanzt sich ein, Parasit.

Game over

Als ich aufwachte, war er längst gegangen. Ich kannte das von ihm, das übliche Verschwinden. Die Angst vor dem Sterben der Nacht und somit vor der Realität ließ ihn jedes Mal vor mir flüchten. Trotzdem trafen wir uns ein halbes Jahr regelmäßig immer wieder, um uns an der Gegenwart des Anderen zu ergötzen. Tranken zu viel Wein und tanzten über den nächtlich-dunklen Trottoir, weil uns die Türsteher keinen Einlass gewährten. Danach torkelten wir betrunken, halb von Alkohol und halb von der gegenseitigen Anziehung, zu ihm oder zu mir, um am

Hygiene

Duschen am späten Sonntagnachmittag passiert nur, wenn man sich Mittags am Telefon gestritten hat und deshalb nicht zur Körperhygiene kam. In der Hoffnung, das Shampoo möge nicht nur die stumpfe Oberfläche des Kopfes reinigen, sondern auch die darunter liegenden Synapsen.

Insomnia

Typo Insomnia Blau

Das erste Mal war am Montag und heute ist es wieder so weit. Ich kann nicht schlafen, das dritte Mal in Folge. Mein Körper liegt müde und ausgelaugt unter vielen tausend Bettdecken und Kissen. Meine Augenlider kleben wie dicker Pfannkuchenteig auf meinen Wangen, in der Hoffnung auf baldige Träume. Doch mein Hirn zieht es vor, innere lebhafte Monologe zu führen. Schwadroniert über Ereignisse, die noch nicht einmal statt gefunden haben. Wütend und müde schaue ich auf den Wecker, wälze mich von links nach rechts um eine schlafgerechtere Haltung anzunehmen und

Für einen kurzen Augenblick war ich mir unsicher, ob er mich überhaupt sah oder nur gedankenverloren in meine Richtung blickte. Aber je länger er aus der Distanz herüber sah, desto unangebrachter wurde die Dauer seines Starrens. Die Sekunde zwischen zufälligem Augenkontakt und unangebrachtem Beobachten war längst erreicht und mir wurde klar, dass ich Frontal in seinem Blickfeld stand und mich nicht befreien konnte. Da standen wir nun. Wie in einem Filmstill starrten wir uns im ungeschützten Gang des Supermarktes an. Ohne seinen Kopf oder seinen Körper zu bewegen, fing er

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