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Kurzgeschichte

Du hast Angst vor Samstag. Du hast Angst vor Samstag, weil ihr euch dann wiederseht. Du mich, ich dich, wir uns. Vielleicht gibt es letzteres gar nicht mehr. Vielleicht gibt es danach nur noch dich dort und mich hier. Du hast das alte Vertrauen wiedergetroffen, an einem Springbrunnen, mit einem Dosenbier in der Hand. Und du fragst dich, ob du Herz und Hose nicht wieder öffnen solltest. Du fehlst mir nicht in irgendeiner Rolle, sondern als Mensch. Der Konjunktiv der letzten Jahre steht mal wieder vor deiner Tür. Da wart

Natürlich

Natürlich hast du mich dutzende Male gefragt ob es in Ordnung sei, wenn du jetzt gehst. Und natürlich habe ich genickt und dir versichert, dass es wirklich so ist. Denn wieso sollen wir uns beide langweilen, wenn wenigstens einer über die Straßen und Feldwege dieser Stadt ziehen kann. Natürlich ist es aber nicht in Ordnung, dass du wirklich gingst, dass du mir geglaubt hast und dass ich dich glauben machen wollte, der Verlauf dieses Abends wäre für mich in dieser Form »natürlich«. Jetzt sitze ich hier und höre aus dem

„Warum eigentlich nicht?“ fragst du und schaust mich mit deinen kleinen Augen von der anderen Seite des Tisches an. Warum eigentlich nicht mal die eigene Moral in die Schublade quetschen und den Schlüssel verlieren. Lieben und verliebt sein verwechseln und die eigenen Lebensstrukturen abbrechen. Die Uni kündigen und die Wohnung exmatrikulieren. Einfach so. Warum eigentlich nicht? Das Körpergewicht verdoppeln, weil das neue Leben nur im Bett stattfindet. Mit zwei nackten Körpern und Kohlenhydraten, die viel und horizontal eingenommen werden, während man Dokumentationen über diese Fische schaut: „Schattenmorellen“ hast du sie

Kratzige Handinnenflächen, die sind alles, an das ich mich erinnere. Und dass ich dachte, dass du dir selbige mal eincremen solltest. Vielleicht habe ich das schon für dich gemacht: Deine Hände in Bier gepült, aus Versehen natürlich und zum Segensgestus gefaltet. Die Anderen sind nicht mehr zu sehen und wenn doch, werden sie von der Nebelmaschine und der Nacht verschluckt. Deshalb bleiben nur noch Du und Ich, kein Wir. Du und ich sitzen also auf der Wartebank im Flur, während die Discokugel wie eine Abrissbirne schwingt und Menschen sich lautlos,

Nach langer Zeit der Abwesenheit erscheint hier heute eine neue Samstagnachtgeschichte von Sarah Riedeberger und mir. Ganz kurz, wie eine kleine Alltags-Verknalltheit. Crush Hinten im Bus: Ein gelbes Reclam-Heft. Kein Titel. Den kann ich nicht lesen, weil ich dir auf die Schuhe glotze, weil du nichts sagst. Sowieso sprichst du selten. Die Umlaufbahn des Dieselmotors betäubt mich und gaukelt mir Gefühle vor: Wehr‘ dich nicht, denn ich sammel‘ dich in meinem mentalen Setzkasten. Schmunzelnd muss ich an den verrückten Kommissar aus Dortmund denken, der immer so viel redet und den

Lass‘ uns nicht beichten, lass‘ uns einfach machen. Verschwinden an diesem beschissenen Küchentisch und das alle Jahre wieder. Du bist wie das rosafarbene Bonbon, das so widerlich nach Farbrik-Erdbeeren schmeckt. Das Resultat: Karies und Cellulite. Wenn man Glück hat ein paar Endorphine, aber vor allen Dingen: Scham. Nach der du auch noch fragst und mich verenden lässt. Der Briefkasten still, das Telefon leer. Ich habe Bauchschmerzen und kaue an Bleistiften. Jemand, den ich nicht kannte, sagte einmal: Wer rennt, der stolpert. Und nein, ich übe beides nicht aus. Weder hinter

Neujahrs-Lethargie

Foto Teetasse

Wenn das neue Jahr an einem Freitag beginnt, bleibt die Motivation im Kalender des letzten Jahres sitzen. 2015 verlässt mich müde und schickt mich unausgeschlafen in Richtung Neujahr. Es ist 5 vor 12 und Adele schreit „hello from the other side”. Kaum hat man die familiären Anlässe verdaut, liegt man am ersten Januar schon wieder auf dem elterlichen Sofa und kriegt Champagner kredenzt, dabei wollte ich doch nur einen Kaffee. Und alle schreien in ihrem Endorphin-Wahn, dass die nächsten 365 Tage nur für sie erschaffen worden sind. Gold & Glitzer

  Dezember: Ich zeige dir mein Tattoo, du erklärst mir, warum du immer noch zu Hause wohnst. Mit 28. Ich sage dir, dass ich dich nicht küssen könne und wenn doch, nur schlecht. Du greifst mir in den Nacken und entschuldigst dich dafür. Da weißt du noch gar nicht, dass ich den Griff genau so mag. Ich sähe aus wie ein Spießer, hast du gesagt und ich frage mich, wo du dich die ganzen Jahre versteckt hast. In meinen Gedanken wiegst du mich immer noch in deinem Schoß, in dem

Die Samstagnachtgeschichten. Immer sonntags. Immer gefertigt von Sarah Riedeberger und mir. Der Rucksack Solange deine Geburt nicht von einer Zeitungsannonce attestiert wurde, wurdest du auch nicht geboren. So wandelst du also ohne Alter, aber mit dem üblichen „Mitte-Ende-20-“ Stempel, anonym und geisterhaft durch die Großstädte und suchst Anschluss. Andere Geister, die dich verstehen und mit dir auf dem Sofa hocken wollen, während ihr eurem schlechten Musikgeschmack freien Lauf lasst. Wenn du irgendwo jemanden findest, der zu deiner Innenarchitektur passt, legst du all deine düsteren Gedanken genau da unter den flauschigen

Sarah Riedeberger und ich schreiben allsamstäglich zusammen. Wort um Wort. Kopf um Kopf. Das ist Text Nr.4. Go your own way In deinem Lipgloss glänzen die Straßenlichter. Du fährst in die Zukunft. Auf dem Weg, auf dem dich ein Umleitungsschild grüßt. Du hast die Hände fest am Lenker. Freihändig fahren ist was für Menschen, die dem Wind vertrauen. Die bunten Luftballons, die du am Gepäckträger befestigt hast, wackeln hin und her, sie lenken dich ab, du missachtest alle Hinweise von außen, denn du vertraust dir. „Forever young“, denkst du dir.

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