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Kurzgeschichte

Von Sarah Riedeberger und mir. Einheit Einheit gleich Gesamtheit, ein Ganzes. Wir, wie ein Haus. Ein Dach und ein paar Stützbalken, ein euphorisch lächelndes Willkommens-Schild an der Tür. Zum Herzen des anderen. Verschwommen. Einige wilde Geschichten – ruhige Gedanken. Die aus den Ritzen im Beton wachsen. Dort zwischen Geschoss und Stockwerk. Du kennst den Unterschied und der besteht aus Holz. Knarzt, dehnt sich im Sommer aus. Auch das Astloch, das von den Würmern in Form von DNS-Strängen tanzend zerfressen worden ist. Wir dehnen uns mit dem Sommer und dem Holz

Spiegelkabinett

Typo Spiegelkabinett Prosa

-Im Bademantel- Manchmal passiert es, dass nicht nur die Decke auf meinem Kopf zebricht, sondern der gesamte Himmel. Das Ungetüm, das ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen habe. Und das behäbig vor dem Fenster hängt. Ich sollte nicht motzen, ich sollte einfach mal an die frische Luft geh’n. An den Schaufenstern vorbeiziehen, stehen bleiben und mir ins Gesicht sehen. Visage Visage: Kreisrund, an manchen Tagen experimentell – Dreieck-. Die Spiegelung glotzt zurück. Am liebsten würde ich sie anspucken. Der Bodenbelag besteht aus Beton. Platten, aneinander gesetzt ergeben sie eine

Railwaytracks

Buchstaben

Würde ich lieber durch die helle Nacht wandern, als auf einem Bein durch die dunkle Sonne? Ja, nein, ich weiß es nicht. Aber das Einzelticket liegt schon auf dem Schreibtisch. The beginning is yet to come. 1-2-3 und es ist wieder soweit: Im Herbst. Im Herbst dann ruft die andere Stadt. Verspricht Wunder und aschefarbene Lidstriche, die man für die Nacht aufträgt. Hier ist es nur das blanke Auge, das auf die Netzhaut fällt. Hier könntest du es auch so haben, sagst du. Und ja, der Konjunktiv war schon immer

Sarah Riedeberger und ich haben es wieder getan. Die nächtlichen Geschichten Nr. 2, schwarz und aus dünnen Buchstaben zusammengeschrieben. Kein Filter, keine Retusche. Schlafen ist auch keine Option. Dosenbier ist aber eine. Oder Schnaps, intravenös. Mich volllaufen lassen, um am nächsten Morgen auszubluten, wie ein angefahrenes Tier, liegend am Straßenrand. Alle Emotionen, wie Innereien raus. Aber da ist niemand, der das dann auffängt oder sogar entsorgt. Da ist niemand, der mein über-die-Strenge-Schlagen nach Hause trägt. Das muss auch keiner, denn dazu bin ich selbst fähig. Immer noch irgendwie, mit der

Highlight

S., du denkst ich sei so obercool, sitze den ganzen Tag mit dem Stift in der Hand am Schreibtisch, während mein Telefon pausenlos klingelt, weil jemand mit mir Kaffee trinken will. In Wahrheit klingelt hier nur manchmal die Müllabfuhr. Dann mache ich die Augen zu und stelle mir vor, das sei Applaus, während ich taub auf dem Sofa liege. So wie jetzt mit meinem abendlichen Müsli, in das ich Avocado geschnippelt hab, um mir mein Leben als young urban professional vorzugaukeln. Nur die scheiß Chiasamen fehlen mir zu meinem Großstädter-Sein.

Eine Ligatur mit Wörtern und Sätzen von Sarah Riedeberger und Julia Feller, entstanden in der grauen samstäglichen September-Nacht. Wir haben keine Freunde, sondern nur Worte. Am Anfang war das Wort und es entstand auf dem Sofa. Du bist mein Wort und ich liebe dich häßlichst seit fünf Jahren. Ich schenke dir zu Weihnachten eine gute Freundin. Wenigstens eine. Damit da mal wer ist, der nach dir guckt und dich sucht, wenn du dich unter Schnee und Wein und Kissen in Wollsocken versteckst. Und Morgen, wenn der Tag gefüllt werden muss,

Das mit dem Schreiben verhält sich so: Dafür, dass es meine einzige Freizeitgestaltung darstellt, mache ich es viel zu selten. Nicht nur, weil mir oft die Kraft dazu fehlt, sondern auch die Muße und die Muse. Dieses herzlose Wesen hat mich nämlich verlassen. Mein einziger Inhaltsgenerator. Muse, falls du das lesen solltest, meld‘ dich doch bei Zeiten mal wieder. Digital ist auch ok. Die anderen Menschen wollen das nämlich nicht analog. Zu Recht. Es könnte zu wild werden, glitzern. Ohne dich bin ich langweilig. Nicht ein bisschen, sondern zu langweilig.

Glückskeks

Foto Glückskeks Spruch

Manchmal wenn mein dunkles Loch wieder überhand nimmt und ich nicht in der Lage bin, aus eigener Kraft Dinge zu erschaffen, benötige ich jemanden, der mir sagt, dass alles gut wird. Auch wenn dieser jemand ein Neutrum ist und aus Papier besteht. Im zitternden Neonlicht stehe ich also vor dem China-Restaurant und reiße das goldene Staniol-Papier auf. Der Inhalt verspricht wie immer Erfolg. Wortwörtlich in Kombination mit meinem eigenen Dazutun. Wie recht du hast Keks, denke ich, während ich um 12h immer noch im Schlafanzug auf dem Sofa sitze. Das

Irrsinn

Foto Collage

Knall, es schmerzt das Herz, Anarchie. Gemeinsam, Dielenfußboden. Nächste Woche, ein Kind. Pack die Ringe wieder aus, Hochzeit. Aus. DU. Heute Morgen hätte ich mich fast selbst verraten. Gut, dass ich meinen Mund, -nein- meine Finger im Zaum gehalten habe. Was wir sind, das werdet ihr sein. Ich bewundere dich. ICH. Überlebenswillen, den hast du. Ich wünsche Glück, aber das weisse Frotee-Handtuch halte ich stets bereit. Und dann bist du auf einmal viele Jahre älter und heute weiser. Ich weiß nicht. Ist doch alles gut jetzt, ist doch alles da.

XXVII

Glückskeks Mantra Foto

Zweitausendfünfzehn. Und da bist du auf einmal siebenundzwanzig. Hast deinen Scheiss nicht beieinander, wie du dachtest, als du zwanzig Jahre jünger warst. Hast kein Haus, kein Auto, nur einen Pinterest-Account mit vielen Wünschen. Für eine Karriere ist es zu spät, dafür sackt das Bindegewebe gen Süden. Dahin, wohin du gerne verreisen würdest, aber kein Geld hast, weil du immer noch studierst. Bist zerrissen zwischen dem Gefühl des Neids und gesegnet mit einem Füllhorn an Faulheit.  

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