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Kurzgeschichte

Hafen

Montag. Du freust dich auf das Schiff mit den vielen rostigen Flecken am Boden, das du trotzdem betrittst, obwohl du weißt, dass es sinken wird und das zum zweiten Mal. Dort liegt es dann am unbeleuchteten Meeresgrund, umspült von Fischströmen und angefressen vom H2O, das durch die Wände eindringt. Eros und Erosion liegen geschwisterlich nebeneinander. „I came to say ‚goodbye‘.“ – „You ALWAYS come to say ‚goodbye‘.“ Die ganze Woche sitze ich am Hafen auf splitternden Holzbänken und kratzigen Steinen, die sich als weiße Staubflecken im Gewebe meiner Hose einnisten

Mein Lieber, es ist einfach nicht unsere Zeit. Wenn du genug Geduld zum Überbrücken hast, treffen wir uns vielleicht in fünf Jahren auf der Straße der großen Stadt wieder. Denn das Kind, dass ich neuerdings möchte, bekomme ich mit dir oder gar nicht. Nur mit dir ist die Idee Wachsmalstifte zu kaufen und Elternabende zu besuchen erträglich. Aber im Moment, im Moment bin ich zu feige jemanden los zu lassen und mich für dich zu entscheiden. Entscheiden, als hätte ich überhaupt die Wahl. Die Möglichkeit entsteht lediglich in meinem Kopf

EINS Durststrecken Sonntag, eine Großstadt. Ada erwachte in der Mitte ihres Bettes, der drahtige Körper verschluckt und gestrandet in einem Berg  Kissen und Bettdecken, in einer Anzahl, wie man sie nur in der Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses antrifft. Obwohl einer Union zweier angeblicher Liebender angehörig, teilte sie nun das Bett mit niemand mehr Unangenehmerem, als ihr selbst. Kein vertrautes Nachtparfum, kein vorzeitig ergrautes Haar, das leise aus einem Männerkopf gefallen war, erinnerte sie daran, dass er jemals die Tür zu seinem Leben verlassen und in ihr Tor gestolpert war. Ihre dunkelbraunen

Löcher im Gesicht

Wasser fließt aus jeglichen Löchern, die mein Gesicht hergeben. Es hätte keinen Unterschied gemacht, ob er da gewesen wäre oder nicht. Ich fordere von seiner Existenz mein Glücklichsein. Zwar wäre ich dann in Gesellschaft, in Bester zugegeben, aber

Sesam, öffne dich

Ich bin kalt, ein Stein auch. Ich bin ein Stein. Aus jeder Ecke höre ich: »Komm aus dir raus!« und ich weiß gar nicht, aus welchem Ort ich eigentlich ausbrechen soll und ob ich das will. Denn in mir drin fühle ich mich die meiste Zeit ganz wohl.

Ende der Woche, fast der Anfang der Neuen. Ewige Grübeleien bestimmen meine Tage. Eine nie endende Landstraße. Glänzend, voller Rollsplitt. Ich bin barfuß. In sechs Jahren tanzt du auf meiner Hochzeit. Liebe ohne Leiden. Ein Jemand schleicht sich unaufgefordert an, legt sich um meine Schultern. Leise. Bringt alles aus dem Gleichgewicht. Verliert Haare an geheimen Stellen. Hinterlässt DNS. Pflanzt sich ein, Parasit.

Game over

Als ich aufwachte, war er längst gegangen. Ich kannte das von ihm, das übliche Verschwinden. Die Angst vor dem Sterben der Nacht und somit vor der Realität ließ ihn jedes Mal vor mir flüchten. Trotzdem trafen wir uns ein halbes Jahr regelmäßig immer wieder, um uns an der Gegenwart des Anderen zu ergötzen. Tranken zu viel Wein und tanzten über den nächtlich-dunklen Trottoir, weil uns die Türsteher keinen Einlass gewährten. Danach torkelten wir betrunken, halb von Alkohol und halb von der gegenseitigen Anziehung, zu ihm oder zu mir, um am

Hygiene

Duschen am späten Sonntagnachmittag passiert nur, wenn man sich Mittags am Telefon gestritten hat und deshalb nicht zur Körperhygiene kam. In der Hoffnung, das Shampoo möge nicht nur die stumpfe Oberfläche des Kopfes reinigen, sondern auch die darunter liegenden Synapsen.

Beginne mit A

Du hast jetzt eine Freundin, hat man mir gesagt. Eine Richtige. Das macht dich herrlich unattraktiv. Aber jetzt zweifle ich daran, ob Du und ich wirklich statt gefunden haben. Gestern war ich für dich wie eine Schwester und ich musste meine inzestuösen Gedanken für mich behalten und heute – heute bist du noch nicht einmal an familiären Verhältnissen interessiert.

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