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Prosa

Du hast Angst vor Samstag. Du hast Angst vor Samstag, weil ihr euch dann wiederseht. Du mich, ich dich, wir uns. Vielleicht gibt es letzteres gar nicht mehr. Vielleicht gibt es danach nur noch dich dort und mich hier. Du hast das alte Vertrauen wiedergetroffen, an einem Springbrunnen, mit einem Dosenbier in der Hand. Und du fragst dich, ob du Herz und Hose nicht wieder öffnen solltest. Du fehlst mir nicht in irgendeiner Rolle, sondern als Mensch. Der Konjunktiv der letzten Jahre steht mal wieder vor deiner Tür. Da wart

Natürlich

Natürlich hast du mich dutzende Male gefragt ob es in Ordnung sei, wenn du jetzt gehst. Und natürlich habe ich genickt und dir versichert, dass es wirklich so ist. Denn wieso sollen wir uns beide langweilen, wenn wenigstens einer über die Straßen und Feldwege dieser Stadt ziehen kann. Natürlich ist es aber nicht in Ordnung, dass du wirklich gingst, dass du mir geglaubt hast und dass ich dich glauben machen wollte, der Verlauf dieses Abends wäre für mich in dieser Form »natürlich«. Jetzt sitze ich hier und höre aus dem

Lass‘ uns nicht beichten, lass‘ uns einfach machen. Verschwinden an diesem beschissenen Küchentisch und das alle Jahre wieder. Du bist wie das rosafarbene Bonbon, das so widerlich nach Farbrik-Erdbeeren schmeckt. Das Resultat: Karies und Cellulite. Wenn man Glück hat ein paar Endorphine, aber vor allen Dingen: Scham. Nach der du auch noch fragst und mich verenden lässt. Der Briefkasten still, das Telefon leer. Ich habe Bauchschmerzen und kaue an Bleistiften. Jemand, den ich nicht kannte, sagte einmal: Wer rennt, der stolpert. Und nein, ich übe beides nicht aus. Weder hinter

  Dezember: Ich zeige dir mein Tattoo, du erklärst mir, warum du immer noch zu Hause wohnst. Mit 28. Ich sage dir, dass ich dich nicht küssen könne und wenn doch, nur schlecht. Du greifst mir in den Nacken und entschuldigst dich dafür. Da weißt du noch gar nicht, dass ich den Griff genau so mag. Ich sähe aus wie ein Spießer, hast du gesagt und ich frage mich, wo du dich die ganzen Jahre versteckt hast. In meinen Gedanken wiegst du mich immer noch in deinem Schoß, in dem

  Sarah Riedeberger und ich haben geschrieben. Erneut, samstäglich und zum fünften Mal: Le garcon Ein „Hallo“ verhallt aus dem anderen Zimmer. Wand an Wand. Das Ohr fest an die Vergangenheit gedrückt, versuche ich die letzten Laute wahrzunehmen. Das Rascheln der Chipstüten, Sonntagabend beim Tatort. Jeder hatte seine eigene, damit kein Streit um den letzten Krümel aufkommt. Das, was ich noch hören kann, sind keine Lebe-wohl-Melodien, sondern mich sagen: “Lass es dir gut gehen.” An dem Ort, an dem du jetzt stehst, gibt es mich nicht. Ich habe dich alleine

Sarah Riedeberger und ich schreiben allsamstäglich zusammen. Wort um Wort. Kopf um Kopf. Das ist Text Nr.4. Go your own way In deinem Lipgloss glänzen die Straßenlichter. Du fährst in die Zukunft. Auf dem Weg, auf dem dich ein Umleitungsschild grüßt. Du hast die Hände fest am Lenker. Freihändig fahren ist was für Menschen, die dem Wind vertrauen. Die bunten Luftballons, die du am Gepäckträger befestigt hast, wackeln hin und her, sie lenken dich ab, du missachtest alle Hinweise von außen, denn du vertraust dir. „Forever young“, denkst du dir.

Aus dem Zusammenhang gerissen: Nach der Theorie meines Onkels schaut auch der Tod sich gerne alte Fotos an und holt diejenigen ab, die ihm am besten gefallen. Kaminer, Wladimir: Onkel Wanja kommt. Eine Reise durch die Nacht. Goldmann: München 2012, S.9.

Von Sarah Riedeberger und mir. Einheit Einheit gleich Gesamtheit, ein Ganzes. Wir, wie ein Haus. Ein Dach und ein paar Stützbalken, ein euphorisch lächelndes Willkommens-Schild an der Tür. Zum Herzen des anderen. Verschwommen. Einige wilde Geschichten – ruhige Gedanken. Die aus den Ritzen im Beton wachsen. Dort zwischen Geschoss und Stockwerk. Du kennst den Unterschied und der besteht aus Holz. Knarzt, dehnt sich im Sommer aus. Auch das Astloch, das von den Würmern in Form von DNS-Strängen tanzend zerfressen worden ist. Wir dehnen uns mit dem Sommer und dem Holz

Spiegelkabinett

Typo Spiegelkabinett Prosa

-Im Bademantel- Manchmal passiert es, dass nicht nur die Decke auf meinem Kopf zebricht, sondern der gesamte Himmel. Das Ungetüm, das ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen habe. Und das behäbig vor dem Fenster hängt. Ich sollte nicht motzen, ich sollte einfach mal an die frische Luft geh’n. An den Schaufenstern vorbeiziehen, stehen bleiben und mir ins Gesicht sehen. Visage Visage: Kreisrund, an manchen Tagen experimentell – Dreieck-. Die Spiegelung glotzt zurück. Am liebsten würde ich sie anspucken. Der Bodenbelag besteht aus Beton. Platten, aneinander gesetzt ergeben sie eine

Liebe Jule Müller, wie soll ich nur beginnen? Vielleicht so: Es tut mir leid! Es tut mir leid für meine folgenden Kommentare. Denn ich habe Interviews von Ihnen gelesen und Sie waren Zucker. Ihr Buch ist allerdings alles andere.  „Früher war ich unentschlossen, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wie ich meine Zwanziger überlebte.“ nennt sich Ihre Episoden-Autobiographie. Ich, Ende zwanzig, sah mich schon lesend und unser beider Werdegänge analysieren. Ja, sogar vielleicht vergleichen, in welchem Alter Sie und ich Parallelen aufweisen. Diese fanden sich allerdings gar

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