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Shortstory

„Warum eigentlich nicht?“ fragst du und schaust mich mit deinen kleinen Augen von der anderen Seite des Tisches an. Warum eigentlich nicht mal die eigene Moral in die Schublade quetschen und den Schlüssel verlieren. Lieben und verliebt sein verwechseln und die eigenen Lebensstrukturen abbrechen. Die Uni kündigen und die Wohnung exmatrikulieren. Einfach so. Warum eigentlich nicht? Das Körpergewicht verdoppeln, weil das neue Leben nur im Bett stattfindet. Mit zwei nackten Körpern und Kohlenhydraten, die viel und horizontal eingenommen werden, während man Dokumentationen über diese Fische schaut: „Schattenmorellen“ hast du sie

Während du Zwiebeln karamellisierst und mit Weißwein abschmeckst, kann ich dir gerade einen Bagel in meinem alten, verdreckten Waffeleisen aufbacken. Ich hatte heute nur ein Eis zum Mittagessen und du meinst, dass das nicht reicht. Du hast Brusthaare und drei auf dem Rücken, ich dafür welche in der Nase, die ich auch noch schneiden muss. Am Himmel fliegt ein Helikopter und mir fällt ein, dass die Wäsche noch in der Maschine liegt. Dein altes Unterhemd riecht nach Jahren noch nach dir, obwohl du es seitdem nicht mehr getragen hast. Mir

Lass‘ uns nicht beichten, lass‘ uns einfach machen. Verschwinden an diesem beschissenen Küchentisch und das alle Jahre wieder. Du bist wie das rosafarbene Bonbon, das so widerlich nach Farbrik-Erdbeeren schmeckt. Das Resultat: Karies und Cellulite. Wenn man Glück hat ein paar Endorphine, aber vor allen Dingen: Scham. Nach der du auch noch fragst und mich verenden lässt. Der Briefkasten still, das Telefon leer. Ich habe Bauchschmerzen und kaue an Bleistiften. Jemand, den ich nicht kannte, sagte einmal: Wer rennt, der stolpert. Und nein, ich übe beides nicht aus. Weder hinter

Neujahrs-Lethargie

Foto Teetasse

Wenn das neue Jahr an einem Freitag beginnt, bleibt die Motivation im Kalender des letzten Jahres sitzen. 2015 verlässt mich müde und schickt mich unausgeschlafen in Richtung Neujahr. Es ist 5 vor 12 und Adele schreit „hello from the other side”. Kaum hat man die familiären Anlässe verdaut, liegt man am ersten Januar schon wieder auf dem elterlichen Sofa und kriegt Champagner kredenzt, dabei wollte ich doch nur einen Kaffee. Und alle schreien in ihrem Endorphin-Wahn, dass die nächsten 365 Tage nur für sie erschaffen worden sind. Gold & Glitzer

  Dezember: Ich zeige dir mein Tattoo, du erklärst mir, warum du immer noch zu Hause wohnst. Mit 28. Ich sage dir, dass ich dich nicht küssen könne und wenn doch, nur schlecht. Du greifst mir in den Nacken und entschuldigst dich dafür. Da weißt du noch gar nicht, dass ich den Griff genau so mag. Ich sähe aus wie ein Spießer, hast du gesagt und ich frage mich, wo du dich die ganzen Jahre versteckt hast. In meinen Gedanken wiegst du mich immer noch in deinem Schoß, in dem

Es ist Sonntag, Zeit für die Geschichte von letzter Nacht von Sarah Riedeberger und mir. Bis in die Knochen Deine Nummer steht in meinem Telefonbuch. Ich kenne deinen Namen, von vorne bis hinten, tausend Mal habe ich ihn gesagt. Ich kenne dich, deine Lenden, dein Gesicht. Mein Mobiltelefon liegt, eingekauert neben Werbeprospekten, auf dem Küchentisch. Ich könnte es nehmen, deine Nummer wählen, dir eine Nachricht schreiben, oder dir bloß von mir erzählen. Geschichten, Legenden und Viten flüstern dir zu, wie ich mit meinen Fingern durch deine Wind-befallenen Haare fahre. Sie fünffach

  Sarah Riedeberger und ich haben geschrieben. Erneut, samstäglich und zum fünften Mal: Le garcon Ein „Hallo“ verhallt aus dem anderen Zimmer. Wand an Wand. Das Ohr fest an die Vergangenheit gedrückt, versuche ich die letzten Laute wahrzunehmen. Das Rascheln der Chipstüten, Sonntagabend beim Tatort. Jeder hatte seine eigene, damit kein Streit um den letzten Krümel aufkommt. Das, was ich noch hören kann, sind keine Lebe-wohl-Melodien, sondern mich sagen: “Lass es dir gut gehen.” An dem Ort, an dem du jetzt stehst, gibt es mich nicht. Ich habe dich alleine

Sarah Riedeberger und ich schreiben allsamstäglich zusammen. Wort um Wort. Kopf um Kopf. Das ist Text Nr.4. Go your own way In deinem Lipgloss glänzen die Straßenlichter. Du fährst in die Zukunft. Auf dem Weg, auf dem dich ein Umleitungsschild grüßt. Du hast die Hände fest am Lenker. Freihändig fahren ist was für Menschen, die dem Wind vertrauen. Die bunten Luftballons, die du am Gepäckträger befestigt hast, wackeln hin und her, sie lenken dich ab, du missachtest alle Hinweise von außen, denn du vertraust dir. „Forever young“, denkst du dir.

Von Sarah Riedeberger und mir. Einheit Einheit gleich Gesamtheit, ein Ganzes. Wir, wie ein Haus. Ein Dach und ein paar Stützbalken, ein euphorisch lächelndes Willkommens-Schild an der Tür. Zum Herzen des anderen. Verschwommen. Einige wilde Geschichten – ruhige Gedanken. Die aus den Ritzen im Beton wachsen. Dort zwischen Geschoss und Stockwerk. Du kennst den Unterschied und der besteht aus Holz. Knarzt, dehnt sich im Sommer aus. Auch das Astloch, das von den Würmern in Form von DNS-Strängen tanzend zerfressen worden ist. Wir dehnen uns mit dem Sommer und dem Holz

Spiegelkabinett

Typo Spiegelkabinett Prosa

-Im Bademantel- Manchmal passiert es, dass nicht nur die Decke auf meinem Kopf zebricht, sondern der gesamte Himmel. Das Ungetüm, das ich schon seit Tagen nicht mehr gesehen habe. Und das behäbig vor dem Fenster hängt. Ich sollte nicht motzen, ich sollte einfach mal an die frische Luft geh’n. An den Schaufenstern vorbeiziehen, stehen bleiben und mir ins Gesicht sehen. Visage Visage: Kreisrund, an manchen Tagen experimentell – Dreieck-. Die Spiegelung glotzt zurück. Am liebsten würde ich sie anspucken. Der Bodenbelag besteht aus Beton. Platten, aneinander gesetzt ergeben sie eine

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