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Shortstory

Highlight

S., du denkst ich sei so obercool, sitze den ganzen Tag mit dem Stift in der Hand am Schreibtisch, während mein Telefon pausenlos klingelt, weil jemand mit mir Kaffee trinken will. In Wahrheit klingelt hier nur manchmal die Müllabfuhr. Dann mache ich die Augen zu und stelle mir vor, das sei Applaus, während ich taub auf dem Sofa liege. So wie jetzt mit meinem abendlichen Müsli, in das ich Avocado geschnippelt hab, um mir mein Leben als young urban professional vorzugaukeln. Nur die scheiß Chiasamen fehlen mir zu meinem Großstädter-Sein.

Eine Ligatur mit Wörtern und Sätzen von Sarah Riedeberger und Julia Feller, entstanden in der grauen samstäglichen September-Nacht. Wir haben keine Freunde, sondern nur Worte. Am Anfang war das Wort und es entstand auf dem Sofa. Du bist mein Wort und ich liebe dich häßlichst seit fünf Jahren. Ich schenke dir zu Weihnachten eine gute Freundin. Wenigstens eine. Damit da mal wer ist, der nach dir guckt und dich sucht, wenn du dich unter Schnee und Wein und Kissen in Wollsocken versteckst. Und Morgen, wenn der Tag gefüllt werden muss,

Das mit dem Schreiben verhält sich so: Dafür, dass es meine einzige Freizeitgestaltung darstellt, mache ich es viel zu selten. Nicht nur, weil mir oft die Kraft dazu fehlt, sondern auch die Muße und die Muse. Dieses herzlose Wesen hat mich nämlich verlassen. Mein einziger Inhaltsgenerator. Muse, falls du das lesen solltest, meld‘ dich doch bei Zeiten mal wieder. Digital ist auch ok. Die anderen Menschen wollen das nämlich nicht analog. Zu Recht. Es könnte zu wild werden, glitzern. Ohne dich bin ich langweilig. Nicht ein bisschen, sondern zu langweilig.

Irrsinn

Foto Collage

Knall, es schmerzt das Herz, Anarchie. Gemeinsam, Dielenfußboden. Nächste Woche, ein Kind. Pack die Ringe wieder aus, Hochzeit. Aus. DU. Heute Morgen hätte ich mich fast selbst verraten. Gut, dass ich meinen Mund, -nein- meine Finger im Zaum gehalten habe. Was wir sind, das werdet ihr sein. Ich bewundere dich. ICH. Überlebenswillen, den hast du. Ich wünsche Glück, aber das weisse Frotee-Handtuch halte ich stets bereit. Und dann bist du auf einmal viele Jahre älter und heute weiser. Ich weiß nicht. Ist doch alles gut jetzt, ist doch alles da.

XXVII

Glückskeks Mantra Foto

Zweitausendfünfzehn. Und da bist du auf einmal siebenundzwanzig. Hast deinen Scheiss nicht beieinander, wie du dachtest, als du zwanzig Jahre jünger warst. Hast kein Haus, kein Auto, nur einen Pinterest-Account mit vielen Wünschen. Für eine Karriere ist es zu spät, dafür sackt das Bindegewebe gen Süden. Dahin, wohin du gerne verreisen würdest, aber kein Geld hast, weil du immer noch studierst. Bist zerrissen zwischen dem Gefühl des Neids und gesegnet mit einem Füllhorn an Faulheit.  

Hafen

Montag. Du freust dich auf das Schiff mit den vielen rostigen Flecken am Boden, das du trotzdem betrittst, obwohl du weißt, dass es sinken wird und das zum zweiten Mal. Dort liegt es dann am unbeleuchteten Meeresgrund, umspült von Fischströmen und angefressen vom H2O, das durch die Wände eindringt. Eros und Erosion liegen geschwisterlich nebeneinander. „I came to say ‚goodbye‘.“ – „You ALWAYS come to say ‚goodbye‘.“ Die ganze Woche sitze ich am Hafen auf splitternden Holzbänken und kratzigen Steinen, die sich als weiße Staubflecken im Gewebe meiner Hose einnisten

Immer das Gleiche. Mein Magen windet sich krampfhaft, doch das Hirn ist nicht in der Lage, ein Gericht zu visualisieren. Das Einzige, das ich gerade noch differenzieren kann, ist entweder der Appetit auf süß oder salzig. Der Blick in den Kühlschrank vermag da auch keine Abhilfe zu schaffen, denn dieser ist zwangsläufig, in einem 1-Personen-Haushalt, ad infinitum unterfüllt. Außer einem Glas mit angekrusteten Senfresten,

Mein Lieber, es ist einfach nicht unsere Zeit. Wenn du genug Geduld zum Überbrücken hast, treffen wir uns vielleicht in fünf Jahren auf der Straße der großen Stadt wieder. Denn das Kind, dass ich neuerdings möchte, bekomme ich mit dir oder gar nicht. Nur mit dir ist die Idee Wachsmalstifte zu kaufen und Elternabende zu besuchen erträglich. Aber im Moment, im Moment bin ich zu feige jemanden los zu lassen und mich für dich zu entscheiden. Entscheiden, als hätte ich überhaupt die Wahl. Die Möglichkeit entsteht lediglich in meinem Kopf

EINS Durststrecken Sonntag, eine Großstadt. Ada erwachte in der Mitte ihres Bettes, der drahtige Körper verschluckt und gestrandet in einem Berg  Kissen und Bettdecken, in einer Anzahl, wie man sie nur in der Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses antrifft. Obwohl einer Union zweier angeblicher Liebender angehörig, teilte sie nun das Bett mit niemand mehr Unangenehmerem, als ihr selbst. Kein vertrautes Nachtparfum, kein vorzeitig ergrautes Haar, das leise aus einem Männerkopf gefallen war, erinnerte sie daran, dass er jemals die Tür zu seinem Leben verlassen und in ihr Tor gestolpert war. Ihre dunkelbraunen

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